Zauneidechse




was kriecht denn da
ein Gewand so wunderschön
in grüner Pracht

schnalzende Zunge
Ameisen nehmt euch in Acht
vor der Zauneidechse

sandiger Boden
ein Leckerbissen die Zikaden
wildes Gestrüpp


morgentau © dawndew



Die Zauneidechse gehört inzwischen zu den gefährdeten Reptilienarten der Schweiz. Zwar würde sie auf naturnahen Flächen auch am Rand von Dörfern und Städten ihr Auskommen finden, aber da sie relativ langsam ist und schlecht klettert, wird sie hier sehr häufig das Opfer von Hauskatzen. Ihr eigentliches Rückzugsgebiet im Schweizer Mittelland sind heute Strassen- und vor allem Eisenbahnborde, die nicht ganz so intensiv genutzt werden wie das umliegende Grünland.

Entgegen der landläufigen Meinung, Eidechsen und andere Reptilien seien vor allem an möglichst heissen, sonnigen Sommertagen zu finden, lassen sich gerade Zauneidechsen eher bei feuchtwarmem, wechselhaftem Wetter beobachten. Achten Sie auf einem ausgedehnten Spaziergang im Mai oder Anfang Juni besonders auf die herrlich grün gefärbten Zauneidechsenmännchen! Die gut getarnten Tiere sitzen gerne an Böschungen oder Waldrändern und sonnen sich an vegetationsfreien Stellen, auf Holzstössen oder Lesesteinhaufen. 

Sobald die Paarungszeit vorbei ist, verschwindet die grüne Färbung, und bereits im Hochsommer sind die Männchen optisch nur noch schwer von den braun-beigen Weibchen zu unterscheiden. Im Tessin, in den Bündner Südtälern und in weiten Teilen des Wallis suchen wir die Zauneidechse allerdings vergebens: Hier lebt die nah verwandte, aber wärmebedürftigere Smaragdeidechse. Bei dieser Art sind die Männchen ganzjährig grün gefärbt, und auch die Weibchen zeigen häufig eine Grünfärbung. Allerdings sind Eidechsenvorkommen keineswegs auf die wärmsten Landesteile beschränkt.

Eigentlich besiedeln die flinken Reptilien die ganze Schweiz – vorausgesetzt, sie finden noch die geeigneten Lebensräume, nur im Verbund mit benachbarten, eidechsenfreundlichen Flächen kann ein Garten als Teillebensraum funktionieren, und in diesem Fall werden Eidechsen auch spontan einwandern und bleiben. Daher eine grosse Bitte: Verzichten Sie unbedingt auf Ansiedlungsversuche! Sie sind nicht nur illegal und meistens erfolglos, sie schädigen auch die Population, aus der die Tiere entnommen werden.

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